
12.04.2012 – 25.06.2026
Kater James kam an seinem 14. Geburtstag zu mir in die Pflegestelle, weil sein Frauchen in die Klinik musste und kurz darauf verstarb. Er kam in einem wirklich desolaten Zustand – klapperdünne 4 kg und total verfilzt, ohne jede Muskulatur, mit kaputten Knieen, einer Bauchspeicheldrüsenentzündung, massivem Durchfall und grottenschlechten Zähnen.
Aber trotz dieser körperlichen Wehwehchens war ein ein ganz toller Kerl, super lieb, sehr sanft, entspannt, äußerst sozial mit Katzen und Hunden, eine ganz liebe Seele.
Als wir Bauchspeicheldrüse und Darm halbwegs im Griff hatten, fand ich ihn am 25.06.26 morgens liegend im Katzenklo. Der Zimmerboden voller Blutschlieren. Ich hob ihn hoch und merkte, dass sein rechtes Bein völlig haltlos herunter baumelte…
Kurz darauf waren wir in unserer Tierarztpraxis und begutachteten den „Schaden“ mit unserer Tierärztin Heike. Es handelte sich tatsächlich um einen offenen (!) Bruch des Sprunggelenks! Und niemand weiß, wie das passieren konnte. Der Ablauf war jeden Tag der gleiche: James ging zur Abendfütterung ins Pflegezimmer und blieb dort bis nach dem Frühstück. In diesem Zimmer befindet sich außer dem kleinen Sofa noch ein Medizinschrank und eine große Kommode. Auf das Sofa ist er immer geklettert und nicht gesprungen, die Kommode hat ihn nicht interessiert, den Sprung auf ca. 80 cm Höhe hat er nie versucht. Also ist in dem Zimmer nichts, absolut nichts, was einen offenen Bruch verursachen könnte.
Also standen wir nun da mit fast der kompletten Praxisbesetzung und überlegten, was zu tun ist. Operationsfähig war er mit seinen Blutwerten nicht wirklich, und es wäre wahrscheinlich eine sehr schwere (= lange) OP geworden mit Platten, Schrauben und/oder Fixateur externe. Sicherlich hätte man auch das Bein amputieren können. Aber kam er nach so einer OP wieder auf die Beine? Würde er trotz der kaputten Knie wieder einigermaßen laufen können? Wie lange würde er an so einer OP zu leiden haben? Er hat in den 8 Wochen, die er hier war kein Gramm zugenommen, obwohl er sehr gut gefressen hat.
Letztendlich haben wir zugunsten des Tieres entschieden und ihn gehen lassen. James ist, wie etliche Katzen vor ihm, friedlich und ganz leise in meinen Armen eingeschlafen und hat seine letzte Reise angetreten. Ich hoffe sehr, dass er mit seinem geliebten Frauchen nun über die ewigen Jagdgründe spaziert. Ich werde ihn als eine der sozialsten, nettesten und sanftesten Katzen immer in Erinnerung behalten.
Petra Lotter, im Juni 2026