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Unsauberkeit

Katzen zeigen durch die Unsauberkeit, dass etwas nicht stimmt. Was genau, das müssen wir in mühevoller Kleinarbeit herausfinden. Zwei Anmerkungen vorab: Es wird zwar immer wieder der Begriff „Protest“ benutzt, aber dieser ist unpassend. Denn Protest setzt zielgerichtetes Handeln voraus; die Idee, etwas zu tun, um es jemandem mal „so richtig zu zeigen“. Rache ist aber ein zutiefst menschliches Ding, so ticken Katzen nicht. Unsauberkeit bei Katzen ist ein Ausdrucksverhalten, oftmals ein Hilferuf, der ernst zu nehmen ist.

1. Wenn ihr keine Züchter*innen (vereinsangehörig!) seid, lasst eure Katzen bitte vor Eintritt der Geschlechtsreife kastrieren. Denn ansonsten wird markiert (mit Kot und/oder Harn), und das betrifft keineswegs nur männliche Tiere.

2. Eine umfassende tiermedizinische Abklärung muss immer und zeitnah erfolgen. Das bedeutet:

a. Geriatrisches Profil (Blutbild)
b. Ultraschall von Blase, Nieren und Darm
c. Urinuntersuchung (möglichst über sterile Probe, die aus einem Punktat der Blase genommen wird)

Finden sich hier keine Ursachen, sollte weiter geforscht werden. Hier würde sich folgendes anbieten:

d. Vorstellung bei einem Fachtierarzt für Zahnheilkunde (Dentalröntgen)
e. Genaue Untersuchung der Gelenke, bei Verdacht Röntgen

Aufwändig? Ja! Teuer? Definitiv! Lohnend? Oh ja. Das bestätigt sich immer und immer wieder.

3. Schadensbegrenzung betreiben, betroffene Stellen systematisch reinigen

a. Betten und Sofas mit Malerfolie abdecken, Teppiche und Badezimmer-Matten entfernen, keine Kleidung auf den Boden werfen. Habt ihr Teenager im Haus, kann dies übrigens eine hervorragende Erziehungsmaßnahme sein. 

b. Radius begrenzen. Bei einer akut auftretenden, ausgeprägten Unsauberkeit, kann es erst einmal notwendig werden, die Katze in einem Raum unterzubringen, der gut zu reinigen ist. Hier ist der Zeitraum definitiv begrenzt, sodass diese Maßnahme vertretbar ist.

c. Als Notfallmaßnahme hat sich Wodka bewährt (auf die betroffenen Stellen schütten, nicht – oder zumindest nicht vorrangig - in den Katzenhalter). Das Mittel der Wahl ist ein Enzymreiniger, wie z.B. Biodor Animal.

4. Das Klomanagement muss beachtet werden. Ruhiger Standort, groß genug, Streu, das der jeweiligen Katze zusagt (Ausprobieren lohnt sich hier immer), ein Klo mehr als Anzahl der Katzen (bezieht sich auf Standard-Klos, nicht auf Samla-Kisten und Mörtelwannen), Hauben entfernen, Klos aus den edlen Schränken nehmen …
Die Klos sollten so frei stehen, dass Katze A Katze B dort nicht einsperren oder festsetzen kann. Das sogenannte Klo-Mobbing ist oft ein Grund für Unsauberkeit.

5. In Mehrkatzenhaushalten lohnt es sich, das Gruppengefüge unter die Lupe zu nehmen. Nicht immer ist es so harmonisch, wie es scheint.
Manchmal reichen schon Blicke oder ein "in-den-Weg-setzen" aus, um der anderen Katze den Weg aufs Klo zu versperren.
Hier lohnt sich der Einsatz von Kameras und eine ausgiebige Verhaltensbeobachtung, um heraus zu bekommen, ob vielleicht doch gestänkert und/oder gemobbt wird. Dass dabei mitunter herauskommt, dass jemand anderes unsauber ist als gedacht, sei nur nebenbei bemerkt.

6. Bei alten Tieren und/oder Handicats sollten die Wege zu den Klos kurz sein, die Barrierefreiheit (gute Zugänglichkeit) der Klos muss beachtet werden.

Wie gesagt: Diese Liste erhebt nicht den Anspruch, vollständig zu sein.
Aber sie soll erste Impulse geben und verdeutlichen, wie vielschichtig die Gründe für einen vermeintlichen Protest sein können. Dass die Detektivarbeit sehr langwierig sein kann und oft mit professioneller Unterstützung erfolgen muss, wird vermutlich auch klar. Und es kann auch vorkommen, dass man Ideen entwickelt, woran die Unsauberkeit liegt, das Problem aber nicht (vollständig) gelöst werden kann. Aber auch hier gibt es Mittel und Wege, um Mensch und Katzen weiterhin ein schönes Miteinander zu ermöglichen.