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Ein Kind kommt - wohin mit der Katze?

Immer wieder müssen wir Katzen übernehmen, weil menschlicher Nachwuchs unterwegs ist. Dass das nicht sein muss, lesen Sie in diesem Beitrag, den man auch als pdf downloaden kann.

 

Die Schwangerschaft

Sie erwarten Nachwuchs? Herzlichen Glückwunsch! Ihre vierbeinigen Lieblinge erwartet wie Sie selbst eine spannende Zeit, und ist das jüngste Familienmitglied erst einmal alt genug, kann es ein gutes Maß an Tierliebe, Respekt und Verantwortungsbewusstsein erfahren. Es gibt so viele positive Aspekte am Zusammenleben von Katzen und Kindern!

Aber so weit sind Sie natürlich noch nicht. Erst einmal sehen Sie einfach die ganze Welt mit anderen Augen – auch die geliebten Vierbeiner. Und auch oder gerade im Interesse der zuletzt genannten ist das auch gut und wichtig, denn auch für sie bedeutet das gravierende Veränderungen. Wie werden sie die Schwangerschaft verkraften? Wo werden sie künftig ihren Platz in der Familie haben? Werden sie sich auf das neue Familienmitglied unvoreingenommen einlassen können? Auch das Baby und sich selbst betreffend könnten Sie sich Fragen bezüglich Umgang, Hygiene und Praktikabilität im Alltag stellen.

Ein paar grundsätzliche Überlegungen sind schon anzustellen, wenn sich in einem Katzenhaushalt menschlicher Nachwuchs ankündigt. Doch man kann den pelzigen Weggefährten die Annäherung so erleichtern, sich selbst das Leben leichter machen und das Kleine von klein auf an einen respektvollen und liebevollen Umgang mit den Stubentigern gewöhnen.

Im Folgenden erwarten Sie ein paar Gedanken und Anregungen aus einem Mehrkatzenhaushalt, in dem sich schon mehrfach Nachwuchs eingefunden hat und in dem es bis heute nicht zu unerwünschten Zwischenfällen gekommen ist.

 

Die Katze bleibt?!

Vorweg: eine Schwangerschaft ist nicht zwingend ein Grund, sich von den geliebten Fellnasen zu trennen – auch wenn dies auch heute noch gerne angenommen und kolportiert wird. Der Grund für diese Empfehlung liegt wohl in der Gefahr einer Toxoplasmoseübertragung begründet, die auch durchaus ernst zu nehmen ist und an dieser Stelle gar nicht wegdiskutiert werden soll. Wertvolle Informationen zu diesem Thema finden sich hier. Doch dieser Gefahr kann man entgegenwirken. Man begegnet ihr im Alltag mit hygienischen Maßnahmen. So kann man die Reinigung von Katzentoiletten und Fressnäpfen einem anderen Familienmitglied überlassen. (Wenn sich hierfür niemand anderer findet, so sollte man dies alternativ mit Handschuhen erledigen und sich hinterher gründlich die Hände waschen.) Es wird auch vielfach empfohlen, den Katzen nicht mehr zu nahe zu kommen. Bei Kampfschmusern wird sich dies kaum umsetzen lassen – mancher werdenden Mutter dürfte dann auch etwas fehlen. Ich mochte selber nie auf den Körperkontakt zu meinen Katzen verzichten, habe aber von der Verteilung von Küsschen auf die Felle abgesehen und mich gewaschen, wenn einer meiner pelzigen Lieblinge dem dringenden Bedürfnis nachgegeben hatte, mich zu putzen.

Nun sind Fälle denkbar (und schon vorgekommen), in denen die Miez panisch auf die Schwangere reagiert und diese förmlich anfällt. (Eine Schwangerschaft ist ja geeignet, die gesamte Körperchemie zu verändern, was die Katze möglicherweise stark irritiert.) Oder – ein Umstand, den keine werdende Mutter zu vertreten hat und dessen sich niemand zu schämen braucht, der aber einfach eintreten kann – die Schwangere entwickelt Ängste (Schwangerschaftsneurose) und verlangt räumliche Trennung von der Katze. Beiden Umständen muss natürlich Rechnung getragen werden. Doch eine sofortige und unwiderrufliche Trennung ist sicherlich der falsche Weg, da diese besonderen neun Monate ein Ausnahmezustand sind, nach dessen Ablauf man die Aufgabe der kätzischen Gesellschaft möglicherweise bedauert.

In diesem Fall kann eine vorübergehende Pflege der Katze angedacht werden. Vielleicht findet sich ja im Bekanntenkreis oder im Rahmen einer Pflegeplatzvermittlung eine geeignete Alternative. Im Interesse sowohl der Katze wie auch Ihrem eigenen sollte die endgültige Abgabe der Katze in meinen Augen die letzte Maßnahme sein.

 

Schon jetzt Veränderungen!

Auch der Katze bleibt es nicht verborgen, dass Veränderungen anstehen. Die „Katzenmama" verhält sich anders, riecht womöglich anders (durch Umstellung der Ernährung oder einfach veränderter Körperchemie) und geht ab einem bestimmten Zeitpunkt anderen Aktivitäten und Routinen nach. Möglicherweise verändert sich auch der Lebensraum der Katzen, zum Beispiel durch den Umbau von Wohnraum.

Lassen Sie ihre Gefährten an den Veränderungen teilhaben. Richten Sie das Kinderzimmer oder die Babybett-Ecke rechtzeitig ein, damit die Katzen die Neuerungen kennenlernen können. Halten Sie Ihre Fellnasen auch möglichst während der Renovierung und Einrichtung nicht fern, damit sie die Veränderungen miterleben können. Dies hilft den pelzigen Weggefährten, zumindest schon einmal die räumlichen Veränderungen kennenzulernen und zu akzeptieren. Idealerweise veranlassen Sie die Veränderungen schon frühzeitig, damit sie den Reiz des Neuen für die Katzen verlieren, bevor das Baby geboren ist, falls Sie sich dafür entscheiden, den Kinderbereich zur Tabuzone zu erklären.

Mit dem Fortschreiten der Schwangerschaft mag es auch schwerer fallen, in gewohnter Manier mit den Katzen zu spielen. Wenn es diese also gewöhnt sind, dass Sie aktiv mit ihnen spielen, versuchen Sie beizeiten, den Katzen Spielsachen wie Katzenangeln oder Wedel schmackhaft zu machen, mit denen Sie die Tierchen beschäftigen können, ohne dass Sie selbst großartig herumtoben müssen. Auch ein paar neue Kartons oder ein Hindernisparcours aus Schachteln, Kennel und Stühlen, ungewohnt im Wohnzimmer arrangiert, können für Abwechslung und Ablenkung sorgen.

 

... und plötzlich ist es da!

Diese Aussage trifft für Sie natürlich nicht zu, denn Sie haben zumindest geahnt, dass bald ein kleiner neuer Mitbewohner Einzug halten wird. Ihre Katzen aber könnte dies überraschen und, wenn sie zum ersten Mal mit einem menschlichen Baby konfrontiert werden, auch ein wenig fordern. Es riecht anders, es zieht Ihre Aufmerksamkeit auf sich, es macht laute Geräusche und stellt überhaupt den gesamten Ablauf auf den Kopf – das kann für ihre Katze schon eine Herausforderung bedeuten. Zwar funktioniert der Welpenschutz, das Kindchenschema oft artenübergreifend, daher begreifen die Katzen vielfach, dass es sich bei einem Baby um ein kleines Exemplar einer Spezies handelt, das schutzbedürftig ist. Doch auch hier kann man den vierbeinigen Gefährten ein wenig Hilfestellung leisten.

Sofern Sie stationär entbinden, legen Sie eine reißfeste weiche Stoffwindel in die Tasche, die Sie zur Entbindung packen. Diese legen Sie in das Babybettchen in der Klinik und das Neugeborene darauf oder wickeln es kurzfristig hinein, damit sie den Geruch des neuen Menschleins annimmt. Bevor Sie das Kind nach Hause bringen, lassen Sie die Stoffwindel nach Hause bringen und diese den Katzen hinlegen. So können sie sich zumindest schon einmal mit dem Duft des Neuankömmlings anfreunden.

Ich habe gute Erfahrungen mit Bachblüten gemacht. Ab dem Tag der Geburt bekamen meine Katzen Holly (um möglicher Eifersucht entgegenzuwirken) und Walnut (um die Veränderung erträglicher zu machen). Ich weiß zwar nicht, ob es ursächlich allein den Bachblüten zuzurechnen ist, aber ich hatte niemals Probleme mit den Katzen angesichts eines neuen Babies.

Wenn das Kindchen dann einmal daheim ist, halten Sie bitte die Katzen nicht fern. Selbstverständlich darf man das Neugeborene niemals mit den Katzen allein lassen (und das möglichst bis ins Kleinkindalter hinein, bis das Kind einen respektvollen Umgang mit der Katze beherrscht), aber lassen Sie Umgang und Kennenlernen zu. Sie kennen Ihre Katzen und Ihr Kind selbst am besten und können beurteilen, inwieweit Sie Tuchfühlung zulassen können, ohne dass es zu Blessuren auf beiden Seiten kommt, aber gönnen Sie allen Beteiligten das Kennenlernen. Nur so erhalten Ihre Fellnasen die Erkenntnis, dass es sich hier nicht um eine Bedrohung für sie oder ein obskures Ding handelt, dem gegenüber man misstrauisch sein sollte. Lassen Sie zu, dass die Katzen das Kind betrachten und auch einmal daran riechen.

Eine Trennung ist nur zu erwägen, wenn sich die Katze als ausgesprochen kinderfeindlich erweisen sollte. Von dem Rat, Katzen an vollen Windeln riechen zu lassen, habe ich gehört, kann diesen jedoch nicht nachvollziehen. Diese Düfte lassen keine Rückschlüsse auf das Kind zu und erleichtern das Kennenlernen nicht. Somit habe ich davon abgesehen, meine Katzen mit derlei Duftnoten zu belästigen.

 

Alltag mit Kind und Katze(n)

Mit jedem neuen Baby verändert sich der Alltag. Versuchen Sie trotzdem, den Fellnasen weiterhin Aufmerksamkeit, Streicheleinheiten und Spielzeit zukommen zu lassen. Es ist ganz klar, dass dies nicht mehr in demselben Umfang möglich sein wird wie vor der Geburt, aber gerade jetzt brauchen sie das Gefühl, nicht ausrangiert zu werden, weil jetzt ein neues Familienmitglied eingezogen ist. Bei aller verständlichen Euphorie für das neue Kleine und aller Neuerungen: Bitte schenken Sie den pelzigen Weggefährten weiterhin Aufmerksamkeit, Zuneigung und Zerstreuung, soweit es geht. So beugen Sie Eifersucht vor und stimmen die Katze auf ein harmonisches Miteinander ein.

 

Haarige Märchen?

Vielfach werden Befürchtungen angesichts der Katzenhaare laut. Natürlich sollte man schon allein im Interesse halbwegs sauberer Wohnverhältnisse diese entfernen (Staubsauger, Fusselroller und/oder Mikrofasertuch sind die Mittel der Wahl), doch dann geht hiervon keine Gefahr für das Baby aus. Ich kenne selbst kein Kind, das aufgrund von Katzenhaaren Schaden genommen hätte (meine eigenen Kinder eingeschlossen), und als ich dieses Thema einmal in einem Förderkurs für Babys (PEKIP) ansprach, regte die Fachfrau zwar auch an, regelmäßig zu staubsaugen, sah aber ansonsten selbst keine Gefahr.

Und nein, es ist nicht wahr, dass Katzenhaare die gleiche Wirkung wie Rasierklingen haben, wenn man sie verschluckt oder aspiriert. Ferner liest man im www immer mal wieder, dass Katzenhaare die Atemwege schädigen können oder sich in den Hautfalten der Kinder festsetzen können. Etwaiges ist in meinem gesamten Umfeld jedoch auch noch nie passiert. Mit den genannten Reinigungsmaßnahmen sollten solche Gefahren zu umgehen sein, damit stellen die Katzenhaare im Zusammenleben von Kindern und Katzen wohl eher ein untergeordnetes Problem dar.

 

Grenzen der Zweisamkeit

Es sollte jedoch nicht geduldet werden, dass die Katze bei dem Kind nächtigt. Im Hinblick auf den Plötzlichen Kindstod oder anderweitige Unfälle soll man ja auch von Schaffellen oder Plüschtieren im Babybett absehen, somit ist eine Katze dort absolut fehl am Platz. Ich mochte es selbst nicht dulden, dass eine Katze mit im Kinderbett schläft, um auszuschließen, dass sich die Katze auf das Kind legt – auch wenn dies bloß versehentlich geschehen wäre. (Wenn sie denn unbedingt hineinwill – so eine Spezialistin habe ich auch -, so nur dann, wenn das Kind nicht darin liegt. Idealerweise wird eine Decke untergelegt, damit das Laken ihren Duft nicht so stark annimmt, sodass die Katze den Platz schnell als den ihren identifiziert.) Manche Eltern erklären das Kinderzimmer auch ganz zur Tabuzone für Katzen. Wenn Temperament und Neigung der Katzen zum Haarverlust oder andere Faktoren dies erforderlich machen, ist es sicherlich auch eine notwendige Maßnahme.

Sollte es notwendig werden, die Katze daran zu gewöhnen, dass sie künftig ihr Nachtlager in einem anderen Zimmer als bisher aufschlagen muss, empfehle ich, damit bereits frühzeitig in der Schwangerschaft anzufangen, damit sie die Ankunft des Neugeborenen nicht gleichzeitig als Verdrängung erlebt. Bieten Sie unterstützend zum Beispiel ein neues Katzenbettchen, eine Decke in einem Karton oder Miezes Lieblingskissen an einem gemütlichen Plätzchen an.

Andersherum ist dem Kind auch Respekt vor den Plätzen der Katze beizubringen (Futter- oder Schlafplatz). Dies ist das Territorium der Katze und darf dieser nicht streitig gemacht werden. Gleiches gilt für das Katzenspielzeug. Obwohl dies eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf kleine Kinder auszuüben scheint, ist es ihnen möglichst vorzuenthalten, denn sonst nimmt es das Aroma des Kindes an und wird von den Katzen nicht mehr als „ihres" wahrgenommen. Auch aus hygienischen Aspekten ist es sicherlich empfehlenswert, wenn jeder mit „seinem" Spielzeug spielt – zumindest bis das Kind nicht mehr alles in den Mund nimmt. Umgekehrt gilt es übrigens genauso: manche Katze entwickelt einen unbezwingbaren Hang zum Babyspielzeug. Dies muss ihr jedoch aus den genannten Gründen ebenso nicht überlassen werden.

 

Zu guter Letzt

Bei allen notwendigen und berechtigten Vorsichtsmaßnahmen gilt jedoch: denken Sie stets positiv. Lassen Sie sich die Überzeugung nicht nehmen, dass sich Ihre Katzen mit ihrem Baby vertragen werden und umgekehrt. Versuchen Sie, die vorgenannten Aspekte möglichst ungezwungen und „unauffällig" in Ihr Leben zu integrieren und möglichst wenig Aufhebens davon zu machen. Freuen Sie sich auf ein harmonisches Zusammenleben. Bleiben Sie gelassen. Dies gibt Ihren Katzen die Gewissheit, dass sie genau wie das Baby nach wie vor dazugehören, und dass hier nicht etwas Bedrohliches, Beängstigendes passiert. So werden sie es in Ruhe erwarten können, bis das Kind alt genug ist, um sich auch mit ihnen zu beschäftigen, zu spielen, zu schmusen und so letztendlich auch eine Bereicherung für sie selbst darzustellen.

Schließlich geben Sie Ihrem Kind durch die kätzische Gesellschaft auch etwas mit: Sie legen den wertvollen Grundstein für Tierliebe und Verantwortungsbewusstsein. Und diese Eigenschaften werden es ein Leben lang begleiten. Ich wünsche Ihnen alles Gute für ein harmonisches Miteinander.

© Lydia Zenger, 2010