Patenkater Umit

umit

13.06.2006 - 19.04.2017

Umit (10) kam zusammen mit seinem Kumpel Yoda (5) aus einer Privatabgabe zu uns. Zu seiner Krankheitsgeschichte wussten wir nur, dass er in den letzten Jahren 2x wegen einer Darminvagination operiert werden musste und er deswegen nur sehr kontrolliert fressen darf. Außerdem hat er wohl Probleme mit der Schilddrüse, sei da aber gut eingestellt.

Seine Pflegemama Celi hat Umit zur „Bestandsaufnahme" in der Tierklinik München Haar vorgestellt. Umit ist zu dem Zeitpunkt deutlich untergewichtig (kein Wunder bei 4x 30g Futter täglich) und hat stumpfes, strähniges Fell. Wir lassen ein geriatrisches Blutbild mit Schilddrüsen- und Bauchspeicheldrüsenwerten machen, wegen eines Geräuschs in der Lunge wird er geröntgt (unauffällig), die inneren Organe werden im Ultraschall genauer unter die Lupe genommen, es zeigen sich Veränderungen an Galle, Darm, Leber und Bauchspeicheldrüse, er hat sehr marode Zähne und braucht dringend eine Zahnsanierung, dazu wollen wir aber erst die Blutwerte abwarten. Außerdem finden wir bei genauerer Betrachtung kleine Krüstchen am ganzen Körper und jede Menge Flöhe.

Das Blutbild bestätigt den Verdacht auf eine Bauchspeicheldrüsenentzündung, die Leberwerte sind erhöht, Umit hat B12- und Folsäuremangel, die Schilddrüsenwerte sind aber im Referenzbereich.

Celi steigert ganz langsam seine Futterrationen auf 300g pro Tag in vielen kleinen Portionen (er muss ja zunehmen) und er bekommt auch ein Abführmittel ins Futter, damit alles flutscht und sich nicht wieder eine Invagination bildet. Umit nimmt zu, wird anhänglicher und das Fell schöner.

Am 31.10. dann der Einbruch: Umit mag nichts fressen, ist teilnahmslos und schlapp. Celi bringt ihn in die Klinik, er wird stationär aufgenommen, kommt an die Infusion, es schaut nicht gut aus... Umit geht ins Röntgen, alles deutet auf eine Darminvagination hin, die Klinik ruft bei Petra Büttner an, lässt sich grünes Licht für die Darm-OP geben. Hopp oder topp. Aber Umit ist ein Kämpfer und gibt noch nicht auf. Die Darminvagination ist im Anfangsstadium und kann, weil rechtzeitig entdeckt, manuell wieder „entfaltet" werden. Bei der Gelegenheit werden Proben aus dem Darm genommen und ins Labor geschickt.

3 Tage später darf Umit wieder nach Hause zu „seiner" Celi und ist glücklich, wieder daheim zu sein und auf dem Bett liegen zu können. Er trägt einen schicken Body, damit er nicht an der langen Bauchnaht lecken kann.

umit postOP 1

Bisher hat Umit uns rund 1.700 Euro gekostet und die Zahn-OP steht noch aus. Das ist natürlich nichts im Vergleich zu den Sorgen, die er seinen Pflegeeltern und uns allen gemacht hat, belastet aber unseren kleinen Geldbeutel doch wieder ganz schön.

Im Januar 2017 haben wir Umit von München in die PS zu Petra Büttner umgesetzt, um ihn hier unserem Spezialisten vorzustellen. Das Ergebnis war mehr als niederschmetternd: Als erstes hat der Doc einen Blick aufs Herz geworfen, weil er doch ein "seltsames" Herzgeräusch beim Abhören hatte. Da ist soweit alles in Ordnung, Umit hat zwar diese "Spangen" im Herz ("moderator bands"), die das Geräusch erklären, aber nicht behandlungsbedürftig sind, sonst ist das Herz in Ordnung. Dann ging's los mit dem Schall der Organe: Blase und Blasenwand okay, Darmwände verdickt, eine ca. 10 cm lange Darminvagination in einer
Invagination (doppelt eingestülpt sozusagen), vor der Invagination ein bisschen angestautes Wasser, aber eigentlich zu wenig für einen kompletten Verschluss, Milz stark vergrößert, vom Aufbau her aber okay, beide Nieren verändert (Rinde zu dünn, Mark unverhältnismäßig groß), Leber stark vergrößert mit Mineralisationen, Zysten und zu vielen Blutgefäßen, Galle, Pankreas und Leber eine einzige Kraterlandschaft von Mineralisationen, verlegten oder stark vergrößerten Gängen, Bauchspeicheldrüse viel zu groß, die Mündung von Galle und Pankreas in den Darm katastrophal entzündet, ebenfalls schon verkalkt und wahrscheinlich auch nicht mehr besonders durchgängig. Zwischen den Organen immer wieder freie Flüssigkeit im Bauchraum. Der Doc meinte "so einen Befund mit solch schwerwiegenden Veränderungen habe ich in 20 Jahren schallen noch nicht gesehen".

Aufgrund dieser schlechten Befunde, haben wir uns entschieden, Umit nur palliativ zu behandeln und ihm die letzte Zeit so schön wie möglich zu machen. Er bekam so viel Futter wie er wollte und genoß die ersten Sonnenstrahlen auf dem Balkon. Unsere Sorge, die Katzen und Hunde bei Petra Büttner könnten ihn stressen, hat er einfach abgetan und sich vom ersten Tag völlig unkompliziert mittendrin bewegt. Sehr schnell war er einfach Mitglied des Rudels.

Am Morgen des 19.04. fand Petra ihn tot in seinem Nestchen auf dem Bett. Er hatte sich nachts leise, still und heimlich davon geschlichen...


Wir bedanken uns ganz herzlich bei Umits Paten Frau Dombrowski, Julia Vogl und Claudia Rohrbach für die Unterstützung