Bericht zur Zuchtauflösung vom Juni 2014

Mitte Juni 2014 bekamen wir einen Anruf, ob wir ca. 40-50 Katzen aus einer ausgeuferten Zucht übernehmen könnten. Um uns einen Überblick zu schaffen, vereinbarten wir einen Termin, auch um vorab Kotproben zu nehmen, damit wir wissen, welche Parasiten evtl. beteiligt sind. Nach 3 Stunden sichten und zählen waren wir bei 64 Katzen.

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Die Katzen lebten dort in einer 4-Zimmer-Wohnung mit 2 Balkonen in verschiedenen Gruppen. Allein in einem Zimmer von ca.12 qm fanden wir 32 Tiere vor – plus 2 Würfe im Alter von 1 und 3 Wochen. Diese Tiere waren zum Teil völlig verstört; die meisten drängten sich in eine Zimmerecke hinter dem Kratzbaum. Die hygienischen Zustände waren untragbar – Kot (fest und flüssig) fand sich in allen Räumen auf Fußböden, Sofas, Betten und den Wänden wieder. Der Geruch war kaum auszuhalten. Die Liegeflächen der Katzen waren teilweise mit zentimeterdicken Fellplatten bedeckt. In den Zimmern befand sich kein Futter, teilweise fehlte gar das Wasser (so z. B. bei dem Zimmer mit den Kitten).

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Teilweise litten die Katzen an Augenentzündungen, manche hatten offene Bisswunden, waren verfilzt, unterernährt und zum Teil auch dehydriert.
Alle Katzen befanden sich in einem extremen Stresszustand, waren scheu bis halbwild und gingen ein paar Tage später beim Einfangen buchstäblich die Wände hoch, was die ganze Sache erheblich erschwerte (aus geplanten 3 Stunden wurden fast 6) und alle Beteiligten bis weit nach Mitternacht beschäftigte, weil die Katzen ja auch noch bundesweit auf die Pflegestellen verteilt werden mussten.

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Heute sind die Katzen 4 Wochen bei uns und haben alle den ersten Tierarzt-Check und zum größten Teil die Kastrationen hinter sich. Alle Katzen mussten gegen Giardien behandelt werden, was bei diesen Katzen, die überwiegend immer noch furchtbar scheu und ängstlich, teilweise richtig traumatisiert sind, gar nicht so einfach war. Es gab einige Beißvorfälle und die betroffenen Menschen mussten chirurgisch versorgt werden, waren zeitweise arbeitsunfähig.
Einige Katzen leiden an Herzerkrankungen, zumindest eine davon schwerwiegend.
Viele Katzen haben furchtbar schlechte Zähne, meist mit extremer Zahnfleisch- und/oder Rachenentzündung.
Mehrere Katzen haben Augen- und Ohrenentzündungen.
Eine Katze leidet an extremen Rolllidern (Entropium), und zwar so stark, dass bei der Erstuntersuchung die Augen unter einer Eiterschicht und völlig zugeschwollen Lidern gar nicht zu sehen waren. Sie brachte am 02.07.2014 6 tote Kitten zur Welt.
Eine Katze litt an einer eitrigen Gebärmutterentzündung und musste das erste Wochenende in der Tierklinik am Tropf verbringen.
Für einen der älteren Kater kam unsere Hilfe zu spät und er musste, trotz aller Versuche, seinen Zustand zu stabilisieren wegen chronischer Niereninsuffizienz im Endstadium eingeschläfert werden.
Die meisten weiblichen Katzen hatten vergrößerte oder veränderte Gebärmütter in Form von Zysten, Verwachsungen oder Zubildungen.
Die älteren Katzen haben ihre Scheu dem Menschen gegenüber langsam abgelegt, die Jüngeren tun sich damit teilweise immer noch schwer. Sie kennen kein Spielzeug, keine Alltagsgeräusche im Sinne von normalem Haushalt (Wasserhahn, Radio, TV, etc.), keine „bewegten" Menschen...

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Eine erfolgreiche „Resozialisierung" dieser Katzen wird uns noch weitere Wochen, wenn nicht sogar Monate Zeit und Arbeit, Liebe und Zuwendung kosten und uns an den Rand des mental Möglichen bringen. Die psychische Belastung, der der Mensch bei der Arbeit mit solchen Katzen ausgesetzt ist, wird oft unterschätzt. Eigentlich möchte man ja nur das Beste für die Miezen, muss sie aber trotzdem jagen und einfangen, ihnen Tabletten und Salben geben und man kann ihnen nicht erklären, dass es ja eigentlich gut für sie ist...

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Ein weiteres, schwerwiegendes Problem ist der Kostenfaktor. Wir rechnen mit ca. 20.000 Euro reinen Tierarztkosten, dazu kommen Futter, Streu, Benzin, Reinigungs- und spezielles Desinfektionsmittel (Giardien). Als geborene Optimisten sind wir zuversichtlich, dass wir auch dieses Mal diese große Aufgabe stemmen können, aber ohne Ihre Unterstützung kann das nicht funktionieren.

Bitte helfen Sie uns dabei – die Tiere brauchen Sie! Vielen Dank!

Wie Sie helfen können, lesen Sie hier.

Ein herzliches Dankeschön an alle Spender!

Steins/Büttner, 24.07.2014